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05.07.2009

„Oh mein Gott!“
Ich kreischte vor lauter Überraschung und Begeisterung. Meine zwei besten Freundinnen der ganzen großen Welt standen unten im Flur, als ich verschlafen die Treppe runter gestolpert kam.
„Hanna! Flippa!“, schrie ich, übersprang die letzten drei Stufen und ließ mich in ihre Arme fallen.
„Wieso seid ihr hier? Seit wann seid ihr hier?“, fragte ich aufgeregt, während ich sie einzeln umarmte und meine Lautstärke immer noch nicht runter schraubte. Sie lachten und ich lachte mit ihnen. Hanna hatte ihre braunen Haare zu einem lockeren Pferdeschwanz hochgebunden und trug einen Jeansrock, ein gelbes luftiges Top und passend gelbe Ballerinas. Sie sah umwerfend mit ihrer frischen Sommerbräune.
„Wir wollen Urlaub!“, sagte sie lachend und schüttelte ihren fransigen Pony aus den Augen.
„Deine Mum war einverstanden. Wir können eine Woche hier bleiben“, erklärte Flippa.
Sie sah so anders aus, irgendwas hatte sie verändert. Sie trug weiße Shorts und ein kariertes Top in verschiedenen blautönen. Ihre sonst so blasse Haut hatte ein wunderschönes zartes Braun angenommen und strahlte vor lauter Italiensonne, die sie die letzten vier Wochen abbekommen hatte. Aber das war nicht das, was mich irritierte. Flippa spürte meinen Blick und schüttelte ihre glatten Haare. Natürlich! Ich schlug mir mit der Hand gegen die Stirn.
„Deine Haare!“, schrie ich und verspürte das Verlangen sie anzufassen. Am letzten Schultag, also eigentlich ihr ganzes gesamtes Leben lang war es blond gewesen. Zwar hatte sie immer hellere Strähnchen drinnen, aber das machte ihre Haare nur noch schöner. Jetzt waren sie braun, schokoladig, wie  die braunen Schokoküsse oder Schokopudding oder Nutella. Es sah klasse aus.
„Seit… waaaann?“, fragte ich sie verwundert, während ich mit meinen Fingern durch ihre Haare strich und sie bewunderte. Sie lächelte: „Seit Italien, meine Mum hat mich überredet.“
„Wow!“ Ich pfiff. „Sieht klasse aus!“
„Das habe ich auch gesagt. Und ich hab’s nicht so gelassen genommen wie du“, sagte Hanna und grinste. Das konnte ich mir vorstellen. Hanna nahm Veränderungen nicht so auf die leichte Schulte. Sie liebte Routine und Gewohnheiten und vernachlässigte keine einzige, weder die Tasse Kakao morgens, noch den Riegel Schokolade abends und dafür war sie umwerfend schlank.

Ich zog mich schnell an, ich schlüpfte einfach nur schnell ein luftiges Sommerkleidchen in Karomuster, und wir machten uns lachend und schwatzend auf den Weg durch den Wald zu unserer Lieblingslichtung. Sie war gar nicht so weit entfernt und blad standen wir auf einer wunderschönen saftig grünen Wiese, der gleichen, auf der ich mit Chris lag und Wolkenbilder suchte. Das war das erste, was ich ihnen erzählte. Obwohl ich Chris nun schon so gut wie einen Monat lang kannte – auch wenn es mir wesentlich länger vorkam, als würde ich ihn mein Leben lang kennen würde -, hatte ich den beiden noch nichts von ihm erzählt. Ich hatte nicht die Zeit gefunden. Flippa war seit Ferienbeginn an der Südküste Italiens gewesen und Hanna hatte ihren Vater und dessen neue Familie in den USA besucht. Seit sechs Wochen war sie nun die große Schwester für den kleinen Marcus. Ich holte tief Luft.
„Jemand ist in das frisch renovierte Haus gezogen…“, begann ich und die beiden sprangen zu meiner Erleichterung drauf an. Es war einfach so viel einfacher Fragen zu beantworten, als irgendetwas frei zu erzählen. Denn entweder erzählte man dann mehr als man wollte oder nur langweiliges und uninteressantes.
„Wann?“, fragte Flippa und kassierte einen Rippenstoß von Hanna.
„ ‚Wer?‘ ist viiieel interessanter“, rechtfertigte sie sich, als Flippa sie empört anschaute.
„Ein Mann mit seinem Sohn“, lachte ich und jetzt kamen wir zum wirklich interessanten Teil.
„Seinem Sohn? Wie alt?“ Hanna war die Neugier in Person und wenn es auch noch um Jungs geht, ist sie vollkommen glücklich.
„Sechszehn“ Ich grinste bis über beide Ohren.
„Und? Sieht er gut aus?“, fragte Flippa weiter.
Tja, ich hatte es ja so gewollt, dachte ich und nickte langsam. Die Reaktion war eindeutig: Sie kreischten vor Begeisterung und ließen sich lachend auf die Wiese fallen. Ich setzte mich zu ihnen und wartete geduldig bis ihr Lachanfall vorüber ging.
Es dauerte eine ganze Weile bis sie sich wieder eingekriegt hatten, dann fragten sie mich weiter aus. Ob ich schon mit ihm gesprochen hätte, wie ich ihn fand, ob ich ihn mochte, ob wir uns verabredet hätten. Ich erzählte ihnen, dass wir die letzten drei Wochen, die wir uns kannten, fast jeden Tag irgendetwas zusammen gemacht hatten. Wir waren schwimmen, im Wald spazieren, picknicken, in der Stadt Eis essen.
„Wir haben so viel gemacht, dass ich das Gefühl habe, wir würden uns schon Ewigkeiten kennen“, gab ich zu und ein verlegenes Lächeln huschte über meine Lippen.
„Ohh, wie süüüß!“, kreischten meine besten Freundinnen gleichzeitig und fielen mir freudig um den Hals.
„Wann lernen wir ihn kennen?“, fragte Hanna.
Ich zuckte mit den Schultern. „ Gleich. Wenn ihr wollt“, sagte ich. Heute wollten wir eigentlich in Stadt fahren, Eis essen, in die Bücherei gehen oder was sich sonst noch so ergeben sollte. Ich hatte ja keine Ahnung das Hanna und Flippa kommen würden.
„Wenn wir wollen?“, fragte Hanna ungläubig. „Wenn wir wollen?!“
„Natürlich wollen wir!“, brachte Flippa den Gedanken zu Ende und betonte jedes einzelne Wort.
„Na dann…“, sagte ich und stand auf. „… sollten wir vielleicht mal los. Wir waren um halb Zwölf verabredet.“ Ich schaute auf meine Uhr, genau wie Flippa, und stellte fest, dass es bereits zehn vor Zwölf war.
„Oh-oh“, flüsterte sie und grinste gespielt verlegen. „‘Tschuldigung.“
Wir machten uns auf den Rückweg und als wir an der Trauerweide vorbei kamen, pfiff Flippa bewundernd durch die Zähne. Ich grinste.
Chris lehnte lässig gegen den dicken Stamm und spielte mit seinem Handy. Sein Haar flatterte gewohnt luftig in sein Gesicht und wenn es ihm in die Augen fiel, schüttelte er seinen Kopf kurz auf seine „coole“ Art. Er trug Khakifarbene Shorts und ein rotkariertes Hemd. Heute hatte es die ganze Welt irgendwie mit Karos, und nicht nur weil es der Trend des Sommers war, oder doch?
 Als wir näher kamen, schaute er auf, blickte kurz ein wenig verwirrt und lächelte dann sein umwerfend süßes Lächeln. Da war es wieder, dieses umwerfende, kribbelnde Gefühl im Bauch wie tausend wunderschöne Schmetterlinge.

11.7.10 20:48
 


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